Sitze ich da so und starre das Blatt Papier an, und weil ich nicht will dass das Blatt Papier weiß bleibt, schreibe ich auf dass ich das Blatt Papier anstarre. Was ich aber eigentlich nicht mehr tue, denn jetzt schreibe ich von einem weißen Blatt Papier.

Ach herrje. Es ist schwer Gedanken festzuhalten.

An was dachte ich? Ach ja. Ich dachte an meinen Freund, und wie lieb ich ihn habe, aber das wisst ihr ja schon. Darüber habe ich jetzt gefühlt tausendmal geschrieben.

Jetzt weiß ich es wieder! Ich dachte, er ist mein erster Mann! Ja ohne Scheiß. Denn ist es nicht so, dass man immer und immer wieder jemanden zum ersten Mal trifft, sieht, küsst, umarmt, vögelt?

Wieso sind wir der Meinung, jemals jemanden zu kennen?

Stillstand ist Tod.

Und warum lernen wir uns nicht jeden Tag neu kennen? Wie kann eine Beziehung langweilig werden? Doch nur wenn ich ihn oder sie nicht mehr kennenlernen möchte.

Ist das nicht herrlich?

Und wenn ich dann so weiter spinne, dann muss ich sagen, es sind nicht nur die Beziehungen. Es sind auch die Tage.

Jeder Tag ist anders.

An manchen Tagen könnte ich Bäume ausreißen und ich bin so übermütig. Dann wieder geht es mir schlecht und ich habe Schmerzen. Jetzt gerade habe ich Schmerzen. Wieso will ich solche Tage nicht kennenlernen? Wieso denke ich mir nicht, aha, interessant. Es tut hier oder hier oder hier weh. Wieso will ich einen Teil meines Lebens weg haben?

Und dann ist da noch das Wetter. Und wie dein Körper und dein Tag auf das Wetter reagiert. Ich schwöre dir, es ist niemals gleich. Und niemals langweilig.

Und hast du schon einmal einen Menschen umarmt, den du ernsthaft kennenlernen möchtest? Nicht erziehen, oder herumdoktern. Kennenlernen. Obwohl du das nie wirst.

Es ist magisch. Bestimmt hast du das schon. Es gibt nichts Schöneres.

Wer sagt dir, dass es mit dem Tag etwas anderes ist. Oder mit deinem Körper. Oder deinem Schmerz. Und dem Wetter.

Gibt es überhaupt etwas Wichtigeres im Leben, als das Leben dass du führst kennenzulernen? Die Menschen die du triffst. Den Ort wo du lebst. Das was Du gerade tust?

Ich glaube nicht.

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Text: Petra Höberl

Bild: pixabay

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