Wie ein Gedankensplitter funktioniert

 

Ich saß gestern Abend noch auf dem Balkon. Es war tiefste Nacht und am Himmel sah man die Sterne. Für diese Jahreszeit und dem Ort wo ich lebe ist das eher ungewöhnlich, denn normalerweise dominiert hier der Nebel. 

Ich liebe den Nebel, denn er lehrte mich, dass nichts so ist wie es scheint. Er erschafft Illusionen in denen du dich verlieren kannst wenn du nicht ganz bei Verstand bist. 

Naja, wie im echten Leben halt.

 

Jedenfalls war die Nacht klar und am Horizont entdeckte ich einen hellen Streifen. Es sah aus als ob die Zukunft beleuchtet wäre. Ich fand das bezaubernd, mir der Illusion bewusst.

Ich redete mit mir selbst und merkte an: das ist alles nicht echt und doch ist es wirklich schön!

Da widersprach mir etwas und fügte hinzu: alles was dich berührt ist echt.

 

Das war so ein magischer Moment, das kennt ihr bestimmt, wo man aus dem Nichts eine Gewissheit hat, die man rational nicht erklären kann. 

Ich diskutierte noch eine Weile mit der Magie herum, das macht richtig Spass, naja ich habe noch nie gegen sie gewonnen. 

Und irgendwann gingen mir die Argumente aus, übrig blieb eine innere Ruhe und ein leicht verklärtes Lächeln. Ich war übrigens nüchtern.

 

Egal. Ich lag schon längst im Bett und befand mich so ein bisschen an der Schwelle. Das ist der Zustand wo die Gedanken sich zerbröseln und sich zu Splittern beginnen. 

Da vernahm ich diesen Satz: Ich möchte dass du hier bleibst. Meine Mutter hatte ihn gesprochen. Und dann hallte der Splitter nach….hierbleiben, hierbleiben, hier, bleiben. Wie ein Echo.

 

Ich war schlagartig wach. Ich fühlte dem Echo nach. Hierbleiben. Will ich das? Hier? Oder meine Mutter? Oder Ich?

Hierbleiben flüsterte das Wort. Hierbleiben. 

Ich ließ es treiben.

Wo ist das denn? Hier? Ich liess auch diesen Gedanken treiben….

 

Hier ist dort, wo es echt ist. War die Antwort.

 

Und mir fiel ein, fast Augenblicklich, verschiedene Situationen im Leben, wo es sich nicht echt anfühlte. Und dort war auch niemals „hier“. Andere sagen zuhause dazu.

 

Und ich wusste, ich bin hier. Und ich wusste, ich bin echt.

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Text: Petra Höberl

Bild: pixabay

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