Wenn ich einen Wunsch frei hätte

Heute feiern wir den Wunschfeiertag. Wie kommt’s? Nun, heute, auf den Tag genau, vor einem Jahr, habe ich eine Fee getroffen. Jawoll, eine echte Fee. Gut, sie war noch in der Lehre, deshalb ging nur ein Wunsch. Aber hey, der hatte es echt in sich. Wollt ihr wissen, welchen? Ich verrate es euch.

Ich wünschte mir, Königin in meinem Land zu sein. Plopp – machte es und ich stand also in meinem Schloss, um mich herum lauter Lackaffen – ähh – Lakaien, die nur dazu da waren, mir die Wünsche aus den Augen zu lesen. Obwohl die Fee da echt besser drauf war – HeHeHeHe.

Und viel hat sich verändert seitdem, das kann ich euch sagen. Am Anfang versuchte ich noch, eine Normkönigin zu sein. Also hübsch auszusehen und ansonsten die Klappe zu halten, doch das drückte ich nicht lange durch. Und so reformierte ich halt das Land.

Ich ging also – Königinnenlike natürlich – erstmal zu Fuß durch die Gebiete. Meine Berater waren entsetzt übrigens, und ich auch übrigens, angesichts der Obdachlosigkeit. Also verkündete ich, das verdammt noch mal jeder, und ich meinte jeder, ein Bett, einen Tisch und ein Bad zur Verfügung haben muss! Flugs wurde meine Anweisung umgesetzt und Wohnungen gebaut, so viele wie nötig waren. Da verließ ich mich auf die Statistiker.

Die Sache begann mir Spaß zu machen. Ich entdeckte desweiteren viele müde und resignierte Gesichter. Das war gar nicht lustig. Ich überlegte hin und her wie dieses Problem lösen. Zum Schluss ließ ich große und ausgedehnte Erholungsgebiete bauen, gratis für die Bewohner meines Volkes, dann kürzte ich die Wochenarbeitszeit auf 20 Stunden, (wer mag darf natürlich mehr arbeiten, doch es ist nicht Pflicht) und setzte einen Zuschuss pro Bewohner/ Monat von 500 € fest.

Meine Berater Schluckten. Sie wandten kläglich ein, dass man sich das nicht leisten konnte. Scharf fragte ich nach. „Wofür geben wir eigentlich unser Geld aus?“ Die Affen wanden sich. Aha. Krieg, Waffen, Schulden.

Okay. Ein schwerer Brocken. Aber natürlich nicht unmöglich für eine Königin. Ich setzte auf Aufklärung. Offen und ehrlich berichtete ich meinem Volk in einer Sondersendung über die Lage der Nation. Und es ist unglaublich wie die Ideen sprudelten.

Wir kürzten die Armee auf kleine Truppen, die hauptsächlich zur Verteidigung da waren, was sich später allerdings auch als unsinnig herausstellte, da wir uns sofort aus dem Kriegsgeschäft zurück zogen und sich nirgends mehr wo einmischten und auch keine Waffen mehr herstellten.

Und dann kam der Oberhammer. Jeder einzelne Bürger dieses Landes spendete und so konnten wir unsere immensen Schulden mit einem Schlag zurückzahlen. Da staunten die Banker nicht schlecht sag ich euch.

Danach lösten wir sämtliche Geschäftsbeziehungen mit den Banken auf und druckten unser eigenes Geld. Nebenbei bemerkt haben wir das schönste Geld der Welt. Kreative Köpfe entwarfen es in einem Wettbewerb.

Ja und heute ist Feiertag. Ich habe den Lakaien und Beratern übrigens gekündigt. Ich werde in Zukunft immer das Volk befragen. Das ist viel besser so.

Und das schönste kommt noch.
1. Ganz viele Länder sind unserem Beispiel inzwischen gefolgt, und
2. Die Fee hat ihre Lehre beendet und kann mir jetzt die restlichen zwei Wünsche gewähren.

Nun denn.

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Text: Petra Höberl
Bild : pixabay

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