* ich bin Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

„Warum bist du so wütend?“ – „Das bin ich nicht!“ – „Ach und deshalb knirschst du mit den Zähnen? Ist dein Kiefer so verspannt, dass du manchmal nicht mal dein Essen runterbringst?“

Wut ist etwas mächtiges. Etwas gewaltiges. Etwas vor dem wir uns fürchten. Viele unterdrücken sie. Wir glauben, Wut ist laut und wie ein Erdbeben. Eine Naturgewalt, die alles überrollt und nichts als  Zerstörung und Trauer hinterlässt. Also ich glaubte das zumindest.

Aber die Wut kommt manchmal ganz leise daher. Wie ein Flüstern. Meistens wenn wir sie nicht wahrhaben wollen. Denn wir wollen kein Teil von jener Kraft sein. Es sei denn, es ist Krieg. Dann bekommt die Wut ein Ventil.

Als ich meine Wut entdeckt hatte, war ich erstaunt. Ich dachte immer dann müsste ich laut schreien und mit Tassen werfen und am besten die Türen knallen. Aber das ist die hilflose Wut. Ich war ganz und gar nicht hilflos. Meine Wut war manchmal nur ein Wort. Oder ein Blick. Oder eine Geste. Sie war still und unauffällig. Und niemand hat sie erkannt, am wenigsten ich selbst. Doch sie wirkte. Im Untergrund. Und in mir selbst.

Die Wut schafft Gutes. Sie ist nicht böse, auch wenn sie Teil dieser Kraft ist.

Sie wird böse, wenn du sie unterdrückst. Wenn du sie nicht erkennst und am besten noch lächerlich machst. Aber wenn du lernst, sie wahrzunehmen – mit all ihren Facetten- und gerade die Stille Variante, dann hast du ein Werkzeug. Ein mächtiges Werkzeug. Denn sie sagt dir, was sein sollte, aber nicht ist.

Vielleicht haben deswegen viele Eltern Angst vor der Wut ihrer Sprösslinge. Denn da ist etwas, das sein sollte, aber nicht ist.

Sei wütend! Im konstruktiven Sinn – und du wirst sehen.

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Text: Petra Höberl

Bild: pixabay

* Kapitel 6, des Buches: Faust, eine Tragödie geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe.

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