Atmen

 

Sie hatte gerade einen ganz bezaubernden Nachmittag mit einer Freundin verbracht.

Sie lachten über alles mögliche und unmögliche und erzählten sich viele erheiternde Episoden aus deren Leben.

 

Der Nachmittag verging wie im Flug und beide waren sich einig, dass dieses Treffen nicht das letzte gewesen sein soll.

Beim Abschied drückte ihr die neue Freundin ein kleines Päckchen in die Hand.

 

Frohe Weihnachten, flüsterte sie ihr ins Ohr. Lass es dir gut gehen!

 

Gerührt nahm sie das Päckchen entgegen. Gleichzeitig war sie ein bisschen beschämt darüber, dass sie selbst nicht auf diese Idee gekommen war.

 

Zuhause öffnete sie voller Neugierde ihr Geschenk. Sie fühlte sich kurz wieder wie ein kleines Mädchen, als Weihnachten den Zauber noch nicht verloren hatte.

Bewusst ließ sie sich Zeit. Entknotete vorsichtig die Verschnürung. Löste behutsam das Klebeband.

 

Endlich war es soweit. Voller Spannung holte sie ihre Geschenke aus der Schachtel und musste lächeln. Daniela wusste genau, was eine Frau braucht!

 

Da war zuerst einmal Schokolade, ein Nagellack in einer sensationellen dunkelroten Farbe, eine Entspannungs CD und ein kleines Fläschchen Öl.

 

Vorsichtig schnupperte sie daran.

Ein bezaubernder Duft stieg in ihre Nase.

Geranien. Orangen und etwas herbes das sie nicht einordnen konnte.

 

Fast augenblicklich befand sie sich in der Küche ihrer Oma. Es war Weihnachten, und der Baum stand festlich geschmückt in der Ecke.

Opa machte wie immer seine Witzchen und Oma lächelte mild. Sie hatte ihre übliche Handarbeit im Schoss und ich saß neben ihr und schaute fasziniert zu.

 

Atmen.

 

Der Baum verströmte den selben Duft wie das Öl und Oma konnte über Weihnachten immer besser atmen als sonst.

 

Sie war zurück von ihrer Gedankenreise.

Dankbar. Nochmal atmete sie tief ein.

Das Öl roch plötzlich ganz anders. Und wieder überkamen sie Erinnerungen. Andere diesmal.

 

Und sie wusste. Dieses Öl führt dich an Orte, die du fast vergessen glaubtest. Erinnert dich an längst vergangene Düfte.

 

Und du atmest.

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Text: Petra Höberl

Bild: pixabay/ pollianapoltronieri

 

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