hat ihre große Reise angetreten. Mit viel Getöse und Trara und Drama.
Der Priester kam mindestens dröundvierundsiebzigmal um ihr die letzte Ölung zu erweisen.
Jedes Mal mit einem Batzen Spendengeld in der Tasche. Man weiß ja nie, ob man sich den Himmel nicht vielleicht doch erkaufen kann, nicht wahr?

Nun jedenfalls ruht sie jetzt unter der Erde, Gott hab sie selig.

Eine Weile wanderte sie herum. Mit heruntergeklappter Kinnlade sozusagen. Also SO hat sie sich den Himmel nicht vorgestellt.
Sie dachte da eher ganz altmodisch an HimmelsChöre und Fanfaren. Pausbäckigen Engeln und Gott, der in einer weißen Wolke wohnt.

Stattdessen sah sie Nebelschwaden. Sie formierten sich zu Bildern und verschwanden wieder, nur um sich zu neuen Bildern zu formen. Manchmal hatte sie den Eindruck bekannte Gesichter zu erhaschen. Manchmal konnte sie Landschaften erkennen.
Nach etwa einer Stunde, sie konnte es nicht so genau sagen, da sie ihr Zeitgefühl verloren hatte, kam sie zu einem Spiegel.

„Hallo Babuschka“, sprach der Spiegel sie an.

Verwirrt sah Babuschka sich selbst in dem Spiegel. Zumindest war es eine Ahnung von sich selbst. Sie sah eigentlich genauso aus wie diese Nebelschwaden. Irgendwie formlos. Keine Kontur. Heiße Luft mit gewissen Andeutungen. Sie schnappte nach Luft.

„Wer bist du und wo bin ich hier?“, fragte sie. Ziemlich verwundert.

„Ich bin der Weltenspiegel und du bist auf der anderen Seite. Meine Aufgabe ist es dir genau zu spiegeln, was du willst. Denn du kannst immer wählen. Lustigerweise konntest du dich diesmal nicht entscheiden.“
Der Spiegel kicherte.

Um Babuschka wurde es schwarz. Plötzlich fror sie entsetzlich und sie kriegte keine Luft.
Verängstigt riss sie die Augen auf. Ein komischer Geselle schlug ihr gerade auf den Hintern.
Vor lauter Verblüffung schrie sie nicht einmal. Was ist das für ein komisches Wesen, dachte sie. Er hatte Flügel wie ein Fisch und einen Kopf wie ein Vogel.

Das ist ein Vosch, weder Vogel noch Fisch, hörte sie noch. Vergiss nicht, du kannst wählen sprach der Spiegel, bevor Sie in einen tiefen Schlaf sank.

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Text: Petra Höberl

Bild: pixabay

 

Ein Gedanke zu “Babuschka

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