Nichts ging mehr. Noch jetzt ist es ihr ein bisschen peinlich.

Da war sie bei ihrer Hausärztin, und wollte einfach nur ein Rezept abholen.

Es ging ihr halt in letzter Zeit nicht so gut. Jeden Tag hatte sie Schmerzen. Kaum aus dem Bett kam sie manchmal.

Tapfer biß sie die Zähne zusammen. Weitermachen.

Ja, und dann stand sie im Behandlungsraum, und ihre Ärztin fragte sie nur: Wie geht es ihnen heute, Frau Kalezski?

 

Sie wusste nicht was es genau war. Vielleicht dieser mitfühlende Blick?

Jedenfalls bekam Kerstin plötzlich keine Luft mehr. Ihre Beine knickten ein und das Herz schlug Salto Mortale.

Noch jetzt dachte sie mit Schaudern daran zurück. Dieses entsetzliche Herzrasen. Verzweifelt versuchte sie zu atmen, doch es kam ihr so vor, als würde sich die Luft weigern in sie hinein zu strömen.

 

Ihre Ärztin hatte sofort erkannt was los ist.

Behende knöpfte sie Kerstins Bluse auf, öffnete ihren Büstenhalter und führte sie zum Sofa, das praktischerweise herum stand.

“Sagen sie mir alle Dinge die blau sind”, begann sie.

Kerstin dachte nicht über die komische Aufforderung nach und konzentrierte sich auf den Raum.

Die Ablenkung funktionierte. Nach einer Weile konnte sie wieder normal atmen und auch der Herzschlag hatte sich beruhigt.

 

Ja. Nun ging sie nicht nur mit einem Rezept nach Hause, nein, Kerstin hatte außerdem noch eine Überweisung für eine Gesprächstherapie in der Tasche.

 

Und jetzt sitzt sie also hier herum und weiss nicht so recht was sie sagen sollte.

“Also. Ähm. Ich bin zusammengebrochen”, mehr fiel ihr nicht ein.

 

Die Therapeutin blieb relativ unbeeindruckt.

Locker erzählte sie, mit humorvollem Tonfall, dass Kerstin nicht die einzige ist, der es so geht.

Tatsächlich kommen 80% der Frauen genau mit diesem Problem zu ihr.

Und in der nächsten halben Stunde erzählt sie viele Anekdoten aus ihrer Praxis, natürlich ohne das Arztgeheimnis zu verletzen, auf wunderbare humorvolle Weise. Lange hat Kerstin nicht mehr so gelacht.

 

Zum Abschluss bekommt Kerstin eine Hausaufgabe. Sie soll darüber nachdenken, welche Dinge ihr selbst so passiert sind. Dinge die ihr peinlich waren, oder wo sie sich Vorwürfe machte. Oder auch Situationen, wo ihr andere Vorwürfe gemacht haben und sie vielleicht verletzt war, oder wütend.

 

Und dann soll sie ihr das so erzählen, als wäre es eine Comedy Show.

Was für eine Aufgabe! Kerstin schüttelte den Kopf. Es erforderte einen totalen Perspektivenwechsel! Es würde so aussehen, als hätte sie diese Situationen geplant.

 

Natürlich stimmte das ganz und gar nicht, doch es könnte ganz amüsant werden, dachte sie.

Entspannt fuhr sie nach Hause.

Fast freute sie sich auf ihren Folgetermin.

 

Wollt ihr wissen, wie es weitergeht? Ich persönlich vergehe ja fast vor Neugierde!

 

(Der Name ist völlig aus der Luft gegriffen, und meine fiktive Kerstin hat keinerlei Ähnlichkeit mit realen Kerstins!)

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Text: Petra Höberl

Bild: pixabay

 

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